Die Mutter und das Kind
F. Abt
Königin:
Sei mir gegrüßt, du Liebe, Holde,
warum verschließest du das Haus?
Es blitzt der Tau in jeder Dolde,
der Morgen lacht, o komm' heraus!
Sneewittchen:
Verboten haben mir's die Zwerge,
die Türe darf ich öffnen nicht.
Sie graben drüben in dem Berge,
und hier, hier tu' ich meine Pflicht.
Königin:
Nun, nun, ich kann dir's nicht verdenken,
doch öffne nur das Fensterlein;
ich will dir diesen Apfel schenken,
wie du so weiß und rot und fein.
Sneewittchen:
Nein, nein, ich darf es doch nicht wagen,
doch scheint der Apfel gar zu gut.
Königin:
Du willst dir den Genuss versagen,
der wohl doch andern Menschen tut!
Chor:
Nimm, o Gott, Sneewittchen gut
unter treue Wacht und Hut!
Königin:
Weiß wie Schnee und rot wie Blut,
Schönste, es bekomm' dir gut!
Sneewittchen:
So gib, du scheinst mir fromm und gut,
und dein Beispiel macht mir Mut.
Chor:
Wehe! Wehe stöhnt's im Schacht,
weh, das Böse ist vollbracht!
Ach, wir wecken sie nicht mehr,
unser Haus ist öd' und leer!