Die Musik
F. Methfessel
Sie saß auf hohem Felsengipfel,
Und tausend Stimmen wurden wach;
Sanft rauscht' es durch der Haine Wipfel,
Melodisch murmelte der Bach.
Sie stieg zum stillen Thal hernieder,
Entlockend sußer Weisen Schall,
Und rings erwachten frohe Lieder,
Antwortete der Wiederhall.
Sie schwebt' auf dunkeln Meereswogen;
Von ihrer Töne Wunderklang
Fühlt' selbst die Fluth sich angezogen;
Die Ufer brausten von Gefang.
Sie kam hernieder von den Sternen,
Umleuchtet von der Sonne Strahl,
Und über ihr in weiten Fernen
Erklang der hohe Weltchoral.
Und um sie her in dichten Kreisen
Versammelt sich der Hörer Schaar;
Gerührt von ihren Zauberweisen
Bringt Alles frohe Opfer dar.
Der Aether naht mit Blumendüften,
Mit seinen Gaben naht das Meer;
Es bringt die Erd' aus tiefen Klüften
All' ihrer Schätze Wunder her.
Bescheiden stand der Mensch von ferne,
Er brachte nur das stille Herz;
Der hoplden Göttin weiht'er gerne,
Was sie bewegt mit süßem Schmerz.
Und freundlich blicht auf hin sie nieder,
Und zu dem Wohnsitz ew'ger Luft,
Zum hehren Tempel ihrer Lieder
Weiht sie des Menschen treue Brust.