Der Jäger ruhte hingegossen
Schubert, Franz
Der Jäger ruhte hingegossen
Gedankenvoll im Wiesengrün,
Da trat, vom Abendlicht umflossen,
Die schönste Jungfrau zu ihm hin.
Sie lockte ihn mit Schmeichelmienen
Und lud ihn freundlich zu sich ein:
"Dir ist das höchste Glück erschienen,
Willst du mein Freund, mein Diener seyn.
Siehst du dort auf dem Berg sich heben
Mein vielgethürmtes goldnes Schloß?
Siehst du dort in den Lüften schweben
Den reichgeschmückten Jägertroß?
Die Sterne werden dich begrüßen,
Die Stürme sind dir unterthan,
Und dämmernd liegt zu deinen Füßen
Der Erdenqualen dumpfer Wahn."
Er folgte ihrer Stimme Rufen
Und stieg den rauhen Pfad empor:
Sie tanzte über Felsenstufen,
Durch dunkle Schlünde leicht ihm vor,
Und als den Gipfel sie erreichen,
Wo der Palast sich prangend zeigt,
Als mit der Ehrfurcht stummen Zeichen
Der Diener Schaar sich vor ihm neigt,
Da will er selig sie umschließen;
Doch angedonnert bleibt er stehn -
Er sieht wie Nebel sie zerfließen,
Das Schloß in blauer Luft verwehn.
Und Schwindel kreis't um seine Sinne,
Sein Haupt umhüllet schwarze Nacht,
[Er taumelt von der Felsenzinne
Zerschmetternd in des Todes Schacht].