Im Herbst

G. Rauchenecker

Einmal noch, bevor der Rebe

Welkes Laub zur Erde sinket

Und vom Felsenkamm der Berge

Frischer Schnee zu Thale blinket,

Zieh hinaus;

Schweife drauß,

Wenn die Sonne milde lächelnd winket.

In den Forsten auf und nieder

Duft'ge Nebelschleier wallen,

Draus, als wären's Thränen, Perlen

Thau's in's Moos herniederfallen.

Ach so stumm

Ist's ringsum,

Und kein Vöglein läßt sein Lied erschallen.

Nur die Bächlein in den Auen

Murmeln eine leise Klage.

Und die wilden Rosen neigen

Lebenssatt ihr Haupt im Hage.

Was erblüht

Und erglüht,

Schwindet wie die Lust nach frohem Tage.

Und die Sonne sinkt und Schauer

Wehen kalt dir um die Sinnen.

Lebenslust und Todesahnung

Kämpfen tief im Herzen drinnen.

Doch warum

Bang und stumm?

Lenz und Leben muß einst neu beginnen.