Zwei Ringe

G. Rauchenecker

In einsamen Waldes Thale,

Da murmelt ein kühler Quell.

Es träufeln aus steinerner Schale

Die Wasser, die Wasser so hell.

Und beugst du dich nieder, zu trinken

Mit labedurstigem Mund,

So siehst zwei Ringe du blicken

Tief unten in Brünnleins Grund;

Zwei Ringe aus Gold, verbunden

Von goldener Locken Haar.

Sag an, wer will es erkunden,

Was hier geschehen war?

Die Nachtigall in den Zweigen

Singt schmelzenden Klagegesang.

Der schwärmenden Mücken Reigen

Tönt summend den Wald entlang.

Die Wipfel wehen und rauschen;

Du sinnest und wirst nicht klug.

Und nimmer wirst du's erlauschen,

Wer einst die Ringe trug.