Rosen

G. Rauchenecker

So dir eine Rose blüht,

Sag, warum sie pflücken?

Nur am frischen Lebensstamm

Mag sie voll beglücken.

Sieh, wie fröhlich sie das Haupt

Wiegt im Spiel der Lüfte

Und im lichten Sonnenschein

Hauchet süße Düfte.

Wie in Träumen nickt sie leis,

Sank hinab die Sonne.

Morgens thaut ihr Angesicht

Thränen reinster Wonne.

Nahst du dich, so winkt sie dir,

Freundlich, sie zu schauen.

Und ihr tiefst Geheimniß will

Zart sie dir vertrauen.

So dir eine Liebe blüht

Hold, mit frischen Wangen,

Sorge treu, daß lang sie noch

Mild dich mag umfangen.

Ihrer Rosenlippen Kuß

Trinke frisch, den weichen;

Aber laß die Rosen nicht

Schmerz und Kummer bleichen.

So wird heller Sonnenschein

Allzeit dich umschweben;

Und des Glückes Füllhorn streut

Rosen dir in's Leben.