Turan's Zelt

Marschner, Heinrich

Im weiten Meer der Wüste

Da steht am Hügelrand

Ein einsam Zelt erhoben,

Schirmt gegen Sturmestoben

Und heißen Sonnenbrand.

Ein schmaler Wassergraben

Umkränzt es ringsumher,

Und sorgsam eng-verdichtet

Sind Dornen aufgeschichtet,

Des Wildes Gegenwehr.

Zwei Schüsseln, eine Mühle,

Ein Kessel stehen drinn,

Und schlichte Decken breiten

Sich weich nach allen Seiten

Am sand'gen Boden hin.

Da weilt die schöne Fitne

Fern jedem Späherblick;

Da findet Ruh und Frieden

Sie einsam, abgeschieden;

Stört Nichts ihr stilles Glück.

Was frommet ihrer Liebe

Die ganze weite Welt?

Kehrt doch mit jedem Abend,

Der Sehnsucht Wehe labend,

Turan zurück in's Zelt.

Des Tages reiche Beute

Trägt er im starken Arm;

Sie löst ihm die Geschosse,

Sie hebt ihn selbst vom Rosse

So treu, so liebewarm.

Nicht um die Mutter klagt sie,

Um ihre Brüder nicht;

Vergessen alle Schmerzen;

Sie ruht an Turans Herzen,

In seiner Liebe Licht.