Da hinter dem Berge da funkelt ein Schloss
H. Sommer
Da hinter dem Berge, da funkelt ein Schloß
Mit Höfen und Brücken und Zinnen,
Da spreizen sich Pfauen, da wiehert manch Roß,
Und herrlich wohnt es sich drinnen;
Halb ist es von Marmel, und halb ist es doch
Von Zucker und Marzipane,
Die Treppen so breit und die Säle so hoch,
Vom Thurme weht eine Fahne.
Da sprechen die Thiere wie Menschen so klug
Da nicken die Blumen und singen,
Da giebt es zu essen und Spielzeug genug
Zum Lachen und Tanzen und Springen,
Die prächtigsten Puppen und Reifen und Ball
Und Panzer und Speere und Stecken,
Da tummeln sich Vögel im Haus von Krystall
Und Fischlein in silbernen Becken.
Im prunkenden Saale auf goldenem Thron,
Umgeben von lustigen Leutchen,
Da sitzt ein blondlockiger Königssohn
Mit seinem Prinzessin Bräutchen;
Viel schelmische Knaben und Mädchen so schön,
Die schlingen und führen den Reigen,
Und immer und immer ein lieblich Getön
Von Zimbeln und Harfen und Geigen.
Da hinter dem Berg, da hinter dem Berg,
Da wird euch im Schlosse nichts fehlen,
Da wartet euch auf ein niedlicher Zwerg
Und bückt sich und frägt nach Befehlen.
Bald seht ihr vom Schlosse das blinkende Dach,
Euch reuet wohl nimmer die Reise,
Kommt, kommet, lieb Kinde, und folget mir nach
Ganz heimlich und stille und leise.