Steige auf du goldene Sonne

H. Sommer

Steige auf, du goldne Sonne,

Aus der sturmdurchrauschten Fluth,

Lodre, heiße Liebeswonne,

Brich hervor, verhaltne Gluth!

Ohne Wanken, ohne Schwanken

Eine Lust nur und ein Leid

Wohnt in Wünschen und Gedanken

Und nur eine Seligkeit.

Was auf Erden lebt und webet,

Und was wandelt durch den Raum,

Was die Welle senkt und hebet,

Und was singt und klingt im Traum,

Alles Wehen, alles Stehen

In des Lebens großem Haus,

Alles Werden und Vergehen

Haucht der Liebe Athem aus.

Soll ich leben, muß ich lieben,

Und, Geliebte, höre mich:

Lieber aus der Welt vertrieben,

Als darin sein ohne dich!

Wie aus Bahnen laß mich ahnen

Aus den Augen mein Geschick,

Wie der Liebe leises Mahnen

Dulde meinen stummen Blick.