Still ist's im Wald

H. Sommer

Still ist's im Wald, es rauschet

Nur leise murmelnd der Bach,

Durch dämmernde Zweige lauschet

Singvöglein in's grüne Gemach.

Auf Blumenkelchen wiegen

Sich Falter im Sonnenschein,

Goldblitzende Käfer stiegen

Und summen und schläfern dich ein.

Wir ruhten unter den Bäumen

Im Schatten auf kühlem Moos

In süßen, seligen Träumen

Von glücklichem Menschenloos.

Wir dachten, wir wären alleine,

Allein auf der Welt umher,

Wir sprachen: der Deine, die Meine!

Und hatten kein ander Begehr.

Da kam Frau Minne gegangen

Und sah uns lächelnd an

Und hat uns mit Armen umfangen,

Das Weib und den seligen Mann.

Sie hat uns Blumen gestreuet

Und sang uns ein zaubrisches Lied,

Wir haben uns ihrer gefreuet

Und merkten's nicht, wie sie schied.

Frau Minne, wann gehst du wieder

Des Weges im stillen Wald?

Bück' unter die Zweige dich nieder

Und suche nur, findest uns bald.