Herr Oluf

H. von Leipziger

Herr Oluf reitet so spät und weit,

Zu bieten auf sein' Hochzeitsleut'.

Da tanzen die Elfen auf grünem Land,

Erlkönigs Tochter, die reicht ihm die Hand.

"Willkommen, Herr Oluf, was eilst du von hier?

Komm her in die Reihen und tanze mit mir."

"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,

denn morgen ist mein Hochzeitstag."

"Hör' an doch, Herr Oluf, geh tanzen mit mir,

Zwei güldene Sporen, die schenke ich dir.

Ein Hemde von Seide so weiß und so fein,

Meine Mutter, die bleicht' es mit Mondenschein!"

"Ich darf nicht tanzen, nicht tanzen ich mag,

denn morgen ist mein Hochzeitstag."

"Und willst du, Herr Oluf, nicht tanzen mit mir,

Soll Seuch' und Krankheit folgen dir!"

Sie tät ihm geb'n einen Schlag aufs Herz;

"O wehe, wie wird mir vor Angst und Schmerz!"

Sie hob ihn bleichend auf sein Pferd:

"Reit' heim nun zu dein'm Fräulein wert!"

Und als er kam vor des Hauses Tür,

Seine Mutter zitternd stand dafür.

"Hör' an, mein Sohn, sag' an mir gleich,

Wie ist deine Wang' so blaß und bleich?"

"O Mutter, o Mutter, ich kam in das Reich

von Erlkönigs Tochter, d'rum bin ich so bleich."

"Hör' an, mein Sohn, o so lieb und traut,

Was soll ich sagen deiner Braut?"

"Sag ihr, ich sei im Wald zur Stund,

Zu proben da mein Ross und Hund."

Da ächzt' er, da starb er. Als Morgen es war,

kam singend die Braut mit der Hochzeitsschar.

"Du weinst, o Mutter, was fehlet dir?

Wo ist mein Liebster, er ist nicht hier!"

"O Tochter, er ritt in den Wald zur Stund,

zu proben allda sein Ross und Hund."

D'rauf hob sie die Decke von Scharlach so rot,

Da lag ihr Liebster, war bleich und tot.