Die Tonkunst
J. Anthes
Holde Tonkunst, deine Freuden
singt mein jugendliches Lied;
sanfte Trösterin in Leiden,
der mein ganzes Herz erglüht,
wie erheitert sich die Seele,
wenn dein Saitenspiel erklingt,
und aus zauberischer Kehle
süßer Lieder Wohlklang dringt!
O wie fühl' ich tief im Herzen
deiner Töne Wunderkraft!
Du magst trauern oder scherzen,
dir weicht jede Leidenschaft.
Welch ein seliges Vergnügen,
das du mir, o Tonkunst, schenkst,
wenn mit zauberischen Zügen
du der Seele Andacht lenkst!
Hebt sich nicht im Lobgesange
froh das Herz zu Gott empor?
Leiht nicht frommer Lieder Klange
gern der Gläubige sein Ohr?
Glücklich, wen in früher Jugend,
Tonkunst, schon dein Reiz gerührt
und zur Unschuld wie zur Tugend
mächtiger ihn hingeführt.
Wenn bei deinem Saitenspiele
Gellerts frommes Lied erklang
und die edelsten Gefühle
in die zarte Seele sang!
Darum sollen schöne Lieder
immerdar mein Herz erfreu'n
und mit jedem Morgen wieder
dir das neue Leben weih'n.