Taubenliedchen

J. Anthes

Du kleiner Schlag voll Tauben,

wie bin ich dir so hold!

Dich ließ' ich mir nicht rauben

um vieles blankes Gold.

Fand irgend noch ein Bettchen

hienieden Lieb' und Ruh',

ist's hinter deinem Brettchen,

du liebes Häuschen du.

Einmütiglich, wie Schwestern

und Brüder, siedelt froh

das kleine Volk in Nestern

von leichtgeflocht'nem Stroh,

wärmt seine kleinen Eier

mit Lieb' und Treue d'rin,

sucht Körnchen vor der Scheuer

und rauscht zum Brunnen hin.

Voll Mordlust, wie der Parder,

mit räuberischem Zahn

schleicht abends oft der Marder

vom Kirchenturm heran

und schnobert um die Klappe.

O Schelm, nimm dich in Acht,

dass Spitz dich nicht ertappe,

der Haus und Hof bewacht.

Nein, Täubchen, ihn gelüstet

umsonst nach Raub und Mord.

Seid unverzagt und nistet

in eurem Häuschen fort.

Vom Lärm der Welt geschieden

bescher' und Gott wie euch

ein Herz, an sanftem Frieden,

an treuer Liebe reich!