Schlumm're, Liebchen! bist noch klein

J. Reichardt

Schlumm're, Liebchen! bist noch klein,

Weißt vom schönen Sonnenschein,

Weißt vom Strahl des Mondenlichts,

Und von Wald und Blumen nichts;

Liebchen, schlumm're werde groß!

Sollst es sehn auf meinem Schooß.

Sollst den Glanz des Himmels sehn,

Und aus ihm die Sonne gehn

Über Wiesen frisch und grün,

Wo die blauen Veilchen blühn.

Veilchen werden dann gepflückt,

Du an's Mutterherz gedrückt.

Mir am Herzen, liebes Kind,

Spielst du froh im Morgenwind.

Über dir ist Jubelklang,

Um dich her ist Lobgesang;

Leise rauchen Baum und Fluß,

Und du fühlst den Mutterkuß.

Liebchen, schlumm're; wachs' heran!

Siehst in meinen Armen dann

Auch der Abendsonne Gluth;

Siehst, wenn Feld und Aue ruht,

Gold und Purpur überall,

Beim Gesang der Nachtigall.

Unter'm Nachtigallenlied

Kommt der helle Mond, und sieht

Mild herab auf dich und mich;

Alle Blumen neigen sich;

Und die Händchen falt' ich dir:

Kleiner Engel, Gott ist hier!

Gott ist hoch im Sternenglanz,

Und im niedern Veilchenkranz;

Ist, wo jener Vogel schlägt,

Und wo dieser Arm dich trägt.

Sag' in jedem Winkel dir:

Liebes Mädchen, Gott ist hier!