Philint an Suschen
J. Sterkel
Am Meer schlief einst auf weichem Sande
Philint, sein Nachen neben ihm;
Im Traume kam vom andern Strande
Sein Genius zürnend zu ihm hin.
Erwach, erwach und zürn und grimme,
Sprach er, Philint, du bist betrogen.
Entsetzt, erweckt ihn diese Stimme,
Nicht so das Brausen wilder Wogen,
Und eilend wagt er sich ins Meer.
Das Meer Philint hat seine Tücke,
O traue nicht dem Mädchen Blicke
Und traue nicht dem stillen Meer.
Das Meer war ruhig, und gelinde
Die Sonne schien so mild darauf,
Allmählich hoben sich die Winde,
Der Sturm schloß seine Riegel auf.
Im Donnerstrom wie glühn die Blitze;
Wohin, wohin ach armer Nachen!
Nun hängt er an der Wogenspitze,
Nun stürzt er in des Abgrunds Rachen;
Ihn rettet nur das ohngefähr;
Das Meer, Philint, hat seine Tücke,
Und traue nicht dem stillen Meer.
Da er voll Sehnsucht am Gestade
Vergisst der nahen Todsgefahr,
Sieht er im nächsten Busch am Pfade,
Daß Suschen nicht mehr seine war.
O brause Sturm, o Donner heule!
Sein Herz zerreißt in Wut und Schmerzen,
Und er erschlägt mit einer Keule
Den Buhlen drauf an ihrem Herzen,
Und stürzt sich dann voll Wut ins Meer.
Ihr Knaben, s'Meer hat seine Tücke,
Doch mehr noch süßer Mädchen Blicke,
Traut nicht den Mädchen, nicht dem Meer.