Schnitters Gesang
J. Sterkel
Ein Schnitter.
Geschärft sind schon die Sicheln;
Die Wagen sind bestellt:
Hinaus! Hinaus ins Feld!
Die gelben Ähren zittern,
Und winken schon den Schnittern;
Zur Ernte ist es Zeit;
Auf! Alles ist bereit!
Alle.
Zur Ernte ist es Zeit;
Wir alle sind bereit!
Ein Mädchen.
Die junge Binderinnen
Sind froh, und wohlgemuth;
Sie schmücken ihren Hut
Mit einer Blumenkrone,
Von purpurrothem Mohne;
Und suchen Tremsen aus,
Zum blauen Schnitter Strauß.
Alle.
Und suchen Tremsen aus,
Zum blauen Schnitter Strauß.
Ein Schnitter.
Frisch auf! und seid nicht müßig!
Heuschreck' und Heimchen schwirrt;
Die blanke Sense klirrt;
Die krummen Sicheln blinken;
Die schwanken Halmen sinken;
Das weite Feld entlang,
Erschallt der Mädchen Sang.
Alle.
Das weite Feld entlang,
Erschallt der Mädchen Sang!
Ein Mädchen.
Späth, wann des Abendschimmer
Die Stoppeln röthlich mahlt;
Der Mond uns, silbern, strahlt;
Wann auf dem hohen Wagen
Die goldnen Garben ragen;
Dann eilen wir nach Haus,
Zum lauten Ernte Schmaus.
Alle.
Dann eilen wir nach Haus,
Zum lauten Ernte Schmaus!
Ein Schnitter.
Auf unsern Tische blinken
Die Kannen, voll von Wein,
Und Liebchen schenkt uns ein;
Wir scherzen dann, und singen,
Wir tanzen dann und springen,
Die Geigen tönen laut
Bis daß der Morgen graut.
Alle.
Die Geigen tönen laut
Bis daß der Morgen graut!