O Blümchen, eurer jedes ruft

J. Sterkel

Ihr Blumen, welche Sie geweiht,

Und die ich sorgsam aufgespart,

Ihr zaubert die Vergangenheit

Mir um zu lichter Gegenwart.

Sieh, Traute, diesen Kornblumkranz,

Einst deiner Locken schlichte Zier.

Du flogst dahin in leichtem Tanz,

Sahst trüb' mich stehn und gabst ihn mir.

Kennst du noch die Levkoje wohl?

Hoch schwellte sie dein schlagend Herz.

Es schien der Mond. Der Abschied scholl.

Dies Blumchen brach der Abschieds Schmerz.

Sieh dieses Rоsenzwillingpaar

Einst strömt es süsse Düfte dir.

Es welkt', es starb', und undankbar

Warfst du es hin. Ich barg es mir.

Dies güldne Sternchen funkelte

Auf meiner Zilie grünem Maal.

Du pflücktest es, Holdselige,

Und gabst es mir im Abendstrahl.

Dort, wo am Strand die Fluth sich bricht,

(Du ruhtest auf dem mächt'gen Stein)

Gabst du mir dies Vergissmeinnicht --

Nein, Traute, nie vergeß ich dein.

Und als ich auf Delmora's Höh'n

Dir flehend in das Auge sah,

Erhörtest du das stumme Flehn,

Und nicktest ein erbarmend Ja.

Doch wenn ich euch, Сyanen, seh,

Ihr schmücktet jüngst noch ihre Brust,

So überschwemmt mich selig Weh,

Mich überdrängt qualvolle Lust -- --

O Blümchen, eurer jedes ruft

Erinnerungen mir ins Herz.

Zwar farbelos und arm an Duft,

Tränkt ihr mich doch mit Wonn' und Schmerz.

Ach, treuer Lieb' ist nichts gering,

Was sie durch treue Lieb erwand.

Nicht feil ist ihr um Stern und Ring

Ein Blümlein aus geliebter Hand.