Zwey Wünsche

J. Sterkel

Das Leben der Menschen ist nichtiger Traum,

Es schwindet dahin und wir ahnen es kaum,

viel Bilder des Kummers umdüstern den Blick,

sie gehen vorüber und kommen zurück,

und wenn wir hienieden noch glücklich werden,

so ist es schon aus mit dem Leben auf Erden.

Im Tahle des Frühlings, am goldenen Quell

verwelken die Blüthen der Freuden so schnell,

drum hat uns nur wenige köstliche Zeit,

das Schicksal zu Freuden des Lebens geweiht,

und wer nicht das Wenige weiss zu geniessen,

wird nimmer sein trauriges Dasein versüssen.

Die Hoffnung des Herzens wird selten erreicht,

die täuschende Zukunft vernichtet sie leicht,

und haben wir Wünsche zu Wünschen gereiht,

so fiehen sie all' in dem Laufe der Zeit.

Nur zwei sind dem besserer Herzen beschieden

die Ruhe des Grabes und innere Frieden.