Eile des Lebens, an Minna
J. Sterkel
Liebe, unser lang gepriesnes Leben
Ist ein einz'ger Augenblick,
O genieß ihn! Götterkräfte geben
Dir ihn nimmermehr zurück.
Unaufhaltsam rollt die Zeit, und führet
Vor und nach sich keine Spur,
Und von ihrem grossen Rad' berühret
Uns ein einzig Pünktchen nur.
Von drey kurzen Lebensaugenblicken
Ist der eine Wunsch, der andre Traum,
Und den dritten, der uns zu beglücken
Da ist, fühlen wir oft kaum.
Darum laß uns nichts von allem wissen,
Weder vor noch rückwärts sehn,
Selbst den Augenblick noch halb geniessen,
Wo wir beyde einst vergehn.