Schneeglöckchen

P. Lindpaintner

Alles ist noch öd' und stille,

tief im Winterschlaf gewiegt;

unter hohem Schnee gebettet

regungslos das Leben liegt.

Horch! Da tönt ein leises Läuten

durch den Schnee, durch Frost und Eis.

Seht ihr dort die Glöcklein blinken,

diese Glöcklein grün und weiß?

Und ihr froh Geläute rufet:

Auf, ihr Blüten, auf, erwacht,

dass im Mai Marias Feste

ihr verschönt in voller Pracht!

Und das Läuten will nicht enden,

bis entschwunden Schnee und Eis,

bis erwacht sind tausend Blüten,

alle zu Marias Preis.

Jungfrau, lass ein Glöcklein läuten

mir im Herzen hell und klar,

das mich wach hält, dich zu preisen,

dich zu loben immerdar!

Lass das Läuten gar nicht enden,

bis der Seele Mai erwacht,

wo du selber mir erscheinest

glanzumstrahlt in deiner Pracht!