Weiße Rose
P. Lindpaintner
Rose, Königin der Blumen
in dem lichten, weißen Kleid
warst du stets der holden Bräute
allerschönstes Festgeschmeid'.
Heute bring' ich aller Bräute
reinster dich zum Opfer dar;
hauche deine Balsamdüfte
aus auf ihrem Festaltar!
Dich, die wundersame Rose,
hat der Himmel selbst gepflegt,
hat des ew'gen Gärtners Liebe
mit der Allmacht Huld gehegt.
Darum wirst du ewig blühen
in des Gärtners gold'nem Haus,
wirst wie Nardenduft erquickend
Gnad' und Trost uns spenden aus.
Lichtumfloss'ne Rosenwolken
trugen dich zu Gottes Thron,
und es krönte dich, die Mutter,
hochentzückt der ew'ge Sohn.
Himmelsrose, unbefleckte,
der ich Leid und Lust vertrau',
lass in meinem Herzen blühen
Rosen, rein wie Morgentau!
Doch was sind der Erden Blüten,
wenn zu dir empor ich schau',
der geheimnisvollen Rose,
zu dir, uns'rer lieben Frau!
Schau voll Huld auf diese Blüten,
die der Frühling dir gebar,
auf mein Herz, das mit dem Sträußlein
vor dir liegt auf dem Altar!