Bist du im Wald gewandelt

Schumann, Robert

_Männerchor:_

Bist du im Wald gewandelt,

Wenn's drin so heimlich rauscht,

Wenn aus den hohen Büschen

Das Wild, aufhorchend, lauscht?

Bist du im Wald gewandelt,

Wenn drin das Frühlicht geht,

Und purpurrot die Tanne

Im Morgenscheine steht?

Hast du da recht verstanden

Des Waldes zaubrisch Grün,

Sein heimlich süsses Rauschen,

Und seine Melodien? –

O Herz, wenn dir die Erde

Nicht hält, was sie versprach,

Wenn Lieb' und Treu' die Schwüre

In arger Falschheit brach,

Dann Komm', rufts aus dem Wald,

Komm' her in meine Ruh',

Mein leises, kühles Rauschen

Küsst deine Wunden zu.

Bist du im Wald geblieben,

Wenn's still zum Abend wird,

nur durch die dunklen Tannen

Der letzte Lichtstrahl irrt;

Bist du im Wald geblieben,

Wenn sich das Mondenlicht

Wie eine Silberbinde

Um jedes Bäumchen flicht;

Hast du da, an dem Herzen

Des Waldes angedrückt,

Nicht selig froh zum Himmel

Dein Nachtgebet geschickt?

O Herz, wenn dich die Menschen

Verwunden bis zum Tod,

Dann klage du, dem Walde

Vertrauend, deine Not.

Dann wird aus seinem Dunkel,

Aus seinem Wundergrün,

Beseligend zum Herzen

Des Trostes Engel zieh'n.