Es war der Rose erster Schmerz!

Schumann, Robert

_Tenor:_

Es war der Rose erster Schmerz!

Trostbittend schaut sie himmelwärts;

Und weiter unter Abendglüh'n

Wallt still die Blumenkönigin.

Ein einsam Häuschen unscheinbar,

Nimmt jetzt ihr Auge wieder wahr.

Am Friedhof liegt es angelehnt,

Vom Fliederbaume rings verschönt;

Durch's off'ne Tor ragt Kreuz und Stein,

Verklärt vom gold'nen Abendschein.

Sie tritt hinein, da steht ein Greis,

Gebückt das Haupt wie Silber,

Er gräbt – den Spaten in der Hand,

Ein Grab in's grüne Land.

_Rose:_

Für wen ist's Grab hier, tief und klein?

_Totengräber:_

Für uns'res Müllers Töchterlein.

_Rose:_

O arme Schwester, tief beklagt! –

_Totengräber:_

Ein schwerer Tod – ein Tod voll Schmerzen

Zu sterben am gebroch'nem Herzen –

_Rose:_

Wie soll ich mir dein Reden deuten?

Bringt treue Liebe solche Leiden?

_Totengräber:_

Wer heiss geliebt und ward betrogen,

Der hat ein Todeslos gezogen –

Er wird geheilt von seinen Schmerzen

Nur an der Erde Mutterherzen. –

_Rose:_

O Schwester, tief beklagt!

_Totengräber:_

Doch sieh', da kommt mit Trauersang

Der Leichenzug den Weg entlang.