Und wie ein Jahr verronnen ist
Schumann, Robert
_Tenor:_
Und wie ein Jahr verronnen ist,
Sein Knöspchen zart Schön-Röslein küßt,
Es ruht, gewiegt von Mutterlust,
Mit Augen blau, an ihrer Brust.
Es lächelt und die Händchen langen,
Als wollt's die Mutterlieb' umfangen;
Sie aber schaut durch Tränenflor
Mit heissem Dank zu Gott empor,
Nimmt still die Ros', ihr Lebenspfand,
Und giebt's dem Kindlein mit zitternder Hand.
_Rose:_
Nimm hin mein Glück, du kleines Herz,
Ich geh' beseligt heimatwärts;
Mein ward der Erde Seligkeit,
Nach dieser giebt es keine Freud';
Leb' wohl, mein Kind; – du treuer Mann,
Zu End' ist meine Pilgerbahn,
Ich scheide ohne Schmerz und Weh',
Weil ich im Glück von hinnen geh'.
Das ist kein bleicher, schwarzer Tod,
Das ist ein Tod voll Morgenrot!
_Tenor:_
Und wie sie noch so leise spricht,
Verlöscht der Augen Frühlingslicht.