Von dem Greis geleitet

Schumann, Robert

_Tenor:_

Von dem Greis geleitet,

Mit dem Sonnenstrahl,

Kommt die Mädchenrose

Jetzt zur Mühl' im Tal.

_Totengräber:_

Auf dieser Bank, von Linden

Beschattet, harre mein!

_Rose:_

Gesegne Gott den Schritt!

So soll das höchste Glück auf Erden,

Das heissersehnte, mir doch werden,

Teilnehmen wird an meinem Schmerz,

An meiner Lust ein Elternherz? –

_Totengräber:_

Komm, liebes Kind, zu uns herein!

_Müller:_

Wie, ist es Täuschung, ist es Schein?

_Müllerin:_

Der Tochter gleicht sie auf ein Haar.

_Rose:_

Mir ist so selig – wunderbar.

_Totengräber:_

Nun, liebe Leute, hatt' ich Recht?

_Müller:_

Bewährt ist stets, was Ihr auch sprecht.

_Totengräber:_

Ist's nicht ein schmuckes Mägdelein

Der Rose gleich, so zart und fein?

_Müller:_

Aus ihren Augen spricht es laut:

Wohl bin ich wert, dass ihr mir traut.

_Müllerin:_

So fülle denn in Brust und Haus

Den leeren Platz der Toten aus!

_Rose:_

O Wonne, o du Himmelslust,

Ihr nehmt mich an die Elternbrust.

Nehmt meiner Liebe ganzen Schatz,

Nur lasst mir diesen teuren Platz.

_Müller und Müllerin:_

O Wonne, o du Himmelslust,

Wir halten dich an uns'rer Brust,

Wir geben dir den besten Platz,

Sei deine Liebe uns Ersatz.

_Totengräber:_

O Wonne, o du Himmelslust,

Sie ruht an treuer Elternbrust;

So wird ihr doch an diesem Platz

Für manches Leiden nun Ersatz.