Esset
W. Hübschmann
Esset, Freunde, mit Behagen,
Essen füllt nicht nur den Magen,
Essen sei euch stets ein Fest!
Und seid dankbar, wenn ihr eßt,
für der Erde gute Gaben,
die sie schenkt, um euch zu laben!
Mutters Kochherd, dampfverhüllt,
stets mit Neugier mich erfüllt.
Spiegeleier, gelb und weiß,
eingerahmt in Butterreis,
und zum Nachtisch Käsestangen,
seh's mit steigendem Verlangen,
ach Mutter, spar die Schüsseln dir,
denn es läuft das Wasser mir
schon im Maul zusammen.
Bauernholztisch blank gefegt
mir schon Appetit erregt,
drauf ein Rauchfleisch weiß und rot
und ein dunkelbraunes Brot,
gelber Landwein blinkt daneben,
kann es etwas bessres geben?
Ach, Wirt, gib Stühle dort und hier,
denn es läuft das Wasser mir
schon im Maul zusammen.
Und nun gar Blumenschmuck und Glanzdamast,
welch ein Anblick für den Gast!
Eine Bratgans knusprig braun,
Klöße, herrlich anzuschaun,
Rotburgunder glüht im Glase,
herrlich steigt mirs in die Nase,
ach, Gastfreund, spar die Rede dir,
denn es läuft das Wasser mir
schon im Maul zusammen.
Esset, Freunde, mit Behagen,
Essen füllt nicht nur den Magen,
Essen sei euch stets ein Fest!
Und seid dankbar, wenn ihr eßt,
für der Erde gute Gaben,
die sie schenkt, um euch zu laben!