Haus und Hof
W. Hübschmann
Der ist arm, der nur besitzt,
und von dem Seinen nicht besessen.
Den Wert der Dinge kann nur der ermessen,
der mühvoll in ihr Wesen dringt.
Diesen Baum hier pflanzt' ich selbst
und belauscht' von Anbeginn
seinen stillen Lebenssinn,
litt sein Welken und genoß
seinen ersten Frühlingssproß.
Und wer nicht liebt, was er pflanzt,
um dessen Schicksal nicht gelitten,
ach, arm bleibt er stets, wenn auch inmitten
früchteschwerer Ernte er steht.
Dieses Haus hier half ich errichten
und ein jeder Stein ist mir vertraut,
habe auch hineingebaut
all mein Sehnen und gewann
einen guten Freund daran.
Und wer sich müht mit aller Kraft,
der kann beleben Unbelebtes,
wer dies versäumt, nicht heiß erstrebt es,
in seinem Haus ein Fremder bleibt.
Mählich ward mir der Besitz
Mittler für das Weltverstehn,
brauche nicht in Fernen gehn,
hab in dem, was hier und mein,
aller Welten Widerschein.
Der ist arm, der nur besitzt,
und von dem Seinen nicht besessen.
Den Wert der Dinge kann nur der ermessen,
der mühvoll in ihr Wesen dringt.