Die Ständchen

C. Steinacker

Tenor:

„Stille Nacht wirft ihren Schleier

um Palast und Hüttendach,

und es wird der Busen freier

und Gesang und Liebe wach.

Mögen Töne dieser Saiten

Ahndung weckend zu dir gleiten,

heißer Sehnsucht süße Schmerzen

nahe legen deinem Herzen.“

Musikanten:

„Der Tag bricht bald heran,

der dir den Namen gab;

die junge Sonne hört

dich ihre Schwester nennen.

Mit dir sich messend, blickt

sie stolz auf dich herab,

und steht errötend da,

und ihre Wangen brennen.“

Tenor:

Was soll das Lärmen? Fort, fort, fort!

Ihr seid mir hier verhasst, fort, fort, fort!

Bombast, Bombast! Geht, geht, geht!

Dudelt an jener Ecke dort, dort, dort!

2. Musikant:

Sing' du nur fort, ich will ihn schon bedeuten.

Mein Herr, mein Herr, was soll das Streiten?

Hier ist für uns der Ort, von hier uns weg zu bringen

wird Ihnen nicht gelingen!

Wir sind bezahlt, wir müssen singen!

1. Musikant:

„O winkte mir noch heut' dein strahlend Augenpaar,

und horchtest du dem Wort, das dir dein Treuer flüstert,

nicht leere Form nur ist der Wünsche reiche Schar,

denn Lieb' und Freundschaft sind in ihm getreu verschwistert.“

Tenor:

Wollt ihr wohl schweigen?

Ich will's euch zeigen!

Ich weich' euch nicht! Ihr dient um Gold,

doch Amor bietet schöner'n Sold.

Will er mir wohl, ist sie mir gut,

verlach' ich euch mit keckem Mut!

„Hält dich wohl in sanften Banden

schon des Schlummers leiser Arm,

und des Tages Bilder schwanden,

dich umtanzt der Liebe Schwarm.

Mögen Töne dieser Saiten

Ahndung weckend zu dir gleiten,

und mein Bild und meine Schmerzen

nahe legen deinem Herzen.“

1. Musikant:

Da haben wir's, er will nicht ruh'n;

wie treiben wir ihn nur von hinnen?

2. Musikant:

Vielleicht, wenn wir von vorn beginnen,

wird's seinen Ohren wehe tu'n!

Musikanten:

„Der Tag bricht bald heran,“

(1. Musikant:)

und wird uns nicht vereinen,

„der dir den Namen gab;

die junge Sonne hört“

(1. Musikant:)

das Concertant zum Weinen

„dich ihre Schwester nennen.

Mit dir sich messend blickt

sie stolz auf dich herab (

1. Musikant:

sie auch auf unsereinen)

und steht errötend da

(

1. Musikant:

solche Toren zu bescheinen)

und ihre Wangen brennen.“

Bräutigam:

Was gibt es da? Will keiner weichen noch wanken?

Bravissimo werden's die Nachbarn euch danken!

Hahahaha! Ein Kätzchen noch fehlt auf dem Dach!

So wird in der Straße doch jedermann wach.

Possierlich, doch horch! Ei, das sind ja die Sänger,

die ich mir bestellt und bezahlt für die Braut!

Der and're muss fort, ich duld' ihn nicht länger!

Ei seht doch, der Wicht tat so ziemlich vertraut!

Ihr Leute, schweigt und hört mich an!

Musikanten:

Wir sind bereit, gebieten sie nur,

wir sind von dienstbarer Natur.

Bräutigam:

Bedeutet jenem Herrn, zu gehen,

auf welche Art es immer sei.

Macht mir die Straße frei!

Musikanten:

Wie Sie befehlen, soll geschehen.

Bräutigam & Musikanten:

Der junge Herr (

Musikanten:

He, junger Herr) mit der Gitarre,

empfehl' Er sich, Er ist ein Narre;

die Straß' ist kurz und Er ist lang,

befrei' Er uns schnell von seinem Sang!

Schnell fügt er sich;

auf Nimmerwiederseh'n, empfehle mich!

Tenor:

Wenn ich noch länger hier verharre,

gibt's Schläge noch; ich bin kein Narre;

ich finde wohl, mir ist nicht bang,

der Mädchen mehr für meinen Sang.

Auf Nimmerwiederseh'n, empfehle mich!