Die Thränen

C. Steinacker

Wo nur Menschen wohnen,

fließen Tränen auch,

sie sind aller Zonen

angebor'ner Brauch.

Schon dem Säugling hangen

sie am Auge zart,

auf des Mannes Wangen,

in des Greisen Bart.

Wo Verzweiflung flutet,

wo ein Auge bricht,

wo ein Busen blutet,

fehlt ihr Wasser nicht.

Aber heller glänzen

sie im frohen Blick,

wenn uns Freuden kränzen

und der Liebe Glück.

So gebeut den Tränen

alles, was uns nah',

und der Zukunft Sehnen,

und was einst geschah.