Lebensglück
C. Steinacker
Viele Sorge hat das Leben,
Viel der Noth ist selbst-erdacht.
Oft hat unnütz-mühsam Streben
Uns um Glück und Ruh gebracht.
Doch Erfahrung macht uns weiser,
Wir verschmäh'n den falschen Schein:
Und so schleicht' sich leis' und leiser
Ruh' und Glück zum Herzen ein.
Aus dem eignen Herzen quillet
Aller Freuden schönster Quell,
Der den Durst nach Freude stillet,
Immer kräftig, rein und hell.
Ach, ihr jagt mit Hast vergebens
In der Welt nach Lust umher!
Stockt in Euch der Quell des Lebens:
Ist die Welt auch freudenleer.
Still und klar ins Leben schauen,
[Treu verwahrt die freie Brust,
Keiner Lockung Reiz vertrauen,
Bringt des Lebens höchste Lust.]
Zieh'n auch Wolken weit und weiter
Um den kleinen Erdenball:
Ist in Euch der Himmel heiter,
O, so ist er's überall.