Das Glück

G. Telemann

Aria

Guten Morgen, faules Glücke,

steh auf und zieh dich an,

es wird bald Mittag sein!

Doch, ach, du bleibst

bei deiner Mode

und schläfst dich ganz gewiss

nach endlich gar zur Tode;

erwachst du gleich manchmal,

so schlummerst du doch stets

zu meiner grössten Qual

wider mein Verhoffen ein.

Recitative

Erwache doch

und reiss mich heute noch

aus meiner vielen Sorgen!

Warum verschiebest du

den Abschnitt meiner Not

bis morgen?

Ich bin vielleicht wohl morgen tot.

Doch, ihr Gedanken, still!

Wenn ihr geduldig seid,

wird euch zu seiner Zeit

die Hoffnung frölich machen.

Sie predigt mir bereits

was Angenehmes vor

und ruft und schreit mir in das Ohr:

In kurzem wirst du glücklich sein.

Aria

Schlaf indessen,

wertes Glücke,

aber schlaf auch

nicht zu lange!

Denk doch einst

an mich zürucke

und vergnüge meine Qual,

endlich doch einmal!

Wo du mir's zu lange machst

und nicht bald, nicht bald erwachst,

macht mir endlich mit der Zeit

deiner Blicke Schläfrigkeit

das Leben feil, die Welt gedrange.