Die Zeit

G. Telemann

Aria

Die Zeit verzehrt

die eignen Kinder

viel geschwinder

als sie die selbigen

zur Welt geboren hat.

Jahr, Monat, Wochen, Tag und Stunden

sind, wenn sie sind, verschwunden;

der Leib, der sie gebiert

ist ihr gewisses Grab;

die Mutter würgt sie selber ab

und hort nicht auf und frisst

und wird doch niemals satt.

Recitative

Der Anfang lieget stets beim Ende.

Kaum bricht der lichte Tag hervor,

so zieht die Nacht den braunene Flor

den heitern Lüften an;

sie nimmt den Schatten in die Hände,

der auch sogar den Mittag selbst verdunkeln kann,

und kehrt das Licht in Finsterniss.

Ach, braucht den Tag!

Die Nacht folgt bald, und dass gewiss.

Aria

Fahrt, reitet, spielt Karten,

trinkt Koffee, raucht Knaster,

sucht Scherz und Vergnügen,

singt, tanzet und lacht!

Macht euch lustig, aber wisset,

dass ihr einst von euer Lust

Red und Antwort geben müsset!

Darum bleibet in den Schranken,

nehmt dei Grenzen wohl in acht!