Der Geiz
G. Telemann
Aria
Ihr Hungerleider, ruht einmal
von eurer selbstgemachten Qual
und höret auf zu fasten!
Ihr seid zwar reich,
doch auch dem ärmsten Bettler gleich
bei euren vollen Kasten.
Recitative
Wem hebt ihr alles auf?
Wem soll das grosse Gut,
von dem ihr euch doch nihcts zugute tat?
Wisst ihr es nihct, so dürft ihr mich nur fragen;
hört her! Ich will's euch sagen:
Ihr sammlet für lachende Erben,
die mit der Zeit, nach eurem Sterben,
auf euren Federn prächtig ruhn
und alles auf einmal vertun.
Ihr lebet arm und sterbet reich;
ihr friert, damit sich andre einst
an euren Kohlen wärmen können.
Ach, sterbt nur!
Das ersparte Holz wird einmal
desto heller brennen.
Aria
Ihr Taler, lasst euch nicht verlangen!
Wisst, der Erlösungstag
bringt endlich doch herein!
Der Henker, der euch in der Welt
gefänglich eingebracht
und in Verwahrung hält,
sperrt, weil er sterben kann,
euch nicht auf ewig ein.