Die Stimme der Liebe

Marschner, Heinrich

Wenn die Landschaft deckt die schatt'ge Nacht

Und bleiche Sterne halten Wacht;

Wenn Thau die Blumenkelche säumt

Und wie ein Fluß das Mondlicht schäumt,

Dann ist die Zeit,

Wo das Herz voll Lieb' nicht länger träumt -

Dann ist die Zeit,

Wo die Stimme der Liebe zaubrisch gebeut.

Wenn der Mond verschämt die Wellen herzt

Und das Laub gar traulich singt und scherzt;

Wenn Schlummer jedes Aug' umhüllt

Und selbst Diana's Aug' erfüllt,

Dann ist die Zeit,

Wo das Herz vor Lieb' und Wonne schwillt -

Dann ist die Zeit,

Wo die Stimme der Liebe zaubrisch gebeut.

Wenn des wachen Hunds Gebell erstickt

Und stumm die Eul' im Mondschein nickt;

Wenn das Feuer fast verglommen ist,

Und wenn der Hahn zu kräh'n vergißt,

Dann ist die Zeit,

Wo das Herz von Liebe überfließt -

Dann ist die Zeit,

Wo die Stimme der Liebe zaubrisch gebeut.

Wenn die Nacht uns scheint der Erde Gruft

Und nichts mehr klingt in Wald und Luft;

Wenn Land und See bezaubert lauscht

Und Geräusch mit sel'ger Ruh' vertauscht,

Dann ist die Zeit,

Wo das Herz gleich einem Springquell rauscht -

Dann ist die Zeit,

Wo die Stimme der Liebe zaubrisch gebeut.