Kunde aus dem Feenlande

Marschner, Heinrich

O, hat dich denn die Königin Mab besucht?

--- Shakespear. sic

Ich soll dir gesteh'n,

Wo wohnen die Fee'n?

In der grünen Hald',

Wo der Mondstrahl kalt

Die Blätter versilbert, die Halm' umwebt;

Unterm Hügel im Wald

Ist ihr Aufenthalt,

Und dort ihr krystallner Palast sich erhebt.

Ich soll dir gesteh'n,

Was speisen die Fee'n?

Die würzige Luft,

Den Blumenduft,

Der weht durch die herrliche Wildniß fern:

Hyacinthen entsprießt,

Was die Fee genießt

Beim funkelnden Lichte der zitternden Stern'.

Ich soll dir gesteh'n,

Was trinken die Fee'n?

Den frischesten Thau,

Der im Morgengrau

Nur immer die Blüthen und Blätter getränkt;

Froh schenken wir ein

Diesen labenden Wein,

Wenn die Stille der Nacht auf die Erde sich senkt.

Ich soll dir gesteh'n

Die Freuden der Fee'n?

'S ist die Jagd, die erschallt

Im düsteren Wald;

Keck reiten mit Horn und mit Hund wir bei Nacht

Über Moor' und Höh'n,

Durch Thäler und See'n

Bis vom Klauge des Waidwerks der Morgen erwacht.

Ich soll Dir gesteh'n,

Wie gekleidet die Fee'n?

In die Fäden dünn,

Die im Sommer hin

Durch die Kühle des Abends so lustig weh'n;

Und der Rosenflaum beut

Weiches Wamms und Kleid,

Drin Ritter und Damen zum Feste geh'n.

Ich soll dir gesteh'n,

Wann zum Fest wir geh'n?

Schwebt der Mond voll Pracht

In der stillen Nacht

Über Land und See, wie ein lieblicher Traum,

Dann klingt durch die Luft

Flöt' und Trommel und ruft

Die Fee und ihr Liebchen zum Tanz um den Baum.