Liebesvertrauen
Marschner, Heinrich
O geh', o geh', und nimmer sag',
Daß er mir treulos sei!
Laß glauben mich den kurzen Tag
An meines Liebsten Treu!
Sag' mir, zur Quelle kehr' ein Fluß,
Der Schnee erglüh' wie'n Feuerguß,
Dies glaubt' ich eher schon;
Doch nimmer kann ich glauben, er
Sei treulos mir entfloh'n.
Er trieb' nur Scherz? er trieb' nur Scherz?
Ich kenne sein Gemüth!
Er bricht gewiß kein liebend Herz
Und läßt sein Lieb und flieht!
Sag' mir, die Sonn' geh' auf nicht mehr,
Nachts glänz' nicht mehr das Sternenheer,
Dies glaubt' ich eher schon;
Doch nimmer kann ich glauben, er
Sei treulos mir entfloh'n.
O, kann 's so sein? nein, wahrlich nein!
Muß glauben es mein Ohr,
Daß der vertraute Liebste mein
Nur mich zu trügen schwor?
Häuf' glüh'nde Kohlen auf dies Haupt,
Bis mir der Schmerz das Leben raubt -
Dies wär' ein Gotteslohn
Den Tag, der mir gesagt, mein Lieb
Sei treulos mir entfloh'n.