Das Begräbniß

J. Reichardt

O Mitternacht im Sternenschleier,

stillschweigend, schauervoll und graus!

Dem Toten, welcher naht, zur Feier

geuß deines Dunkels Schrecken aus!

Ach, unser Herz

beugt tief der Schmerz,

beugt tief der Andacht Ernst herab,

dass heiß und mild

die Träne quillt

und starr die Seele staunt ins Grab.

Der Zug in Flor und Mantel wallet

zur letzten Menschenwohnung her;

die Bahre schwebt, vom Turme hallet

die dumpfe Totenglocke schwer.

Mattdämmernd Licht

der Fackeln bricht

das Grau'n im düster'n Lindenkranz;

Nur Leichenstein

und morsch Gebein

erblickt das Aug' im bleichen Glanz.

Wie Gottes Winde weh'n und brausen,

tönt leis' und stark der Orgel Mund

und füllt in feierlichen Pausen

der gotischen Gewölbe Rund.

Sanft klagend schwebt

die Stimm' und bebt,

bald einzeln, bald in vollem Chor;

entzückt nun reißt

den trunk'nen Geist

die Jubelharmonie empor.

Empor zu Gott, der nicht für Kummer

des Menschen Wunderbau beseelt,

der uns nach kurzen Müh'n zum Schlummer

den kühlen Schoß der Erde höhlt!

Was weinen wir

am Grabe hier?

Voran nur ging der traute Freund!

Bald flieht, wie Schaum,

des Lebens Traum,

und ewig sind wir dort vereint!

Wohlan denn! Mische Staub zu Staube

der Schaufeln dumpfer Wechselklang!

Allweiser! Vater! ruft der Glaube,

dir, Herr des Todes, Preis und Dank!

Wer starb, entkam

aus Sünd' und Gram,

aus Torheit, Trug und eitlem Schein;

er steht verklärt

vor Gott und hört

und stimmt ins Halleluja ein.