Entschlossenheit
J. Reichardt
Vorwärts, mein Geist, den schroffen Pfad,
nicht träg' umhergeschauet!
Dort oben winkt die Ruhestatt!
Wohl auf, dir selbst vertrauet!
Dich, Gottes Odem, du Verstand,
in Staub gehüllt, hat Gottes Hand
so wunderbar gebauet!
Nicht ziemt dir's, edler Himmelssohn,
an eitlem Schein zu haften!
Dein würdig, tritt in Staub mit Hohn
die nieder'n Leidenschaften.
Und ob sie rechts und links nach Stolz,
nach Sinnlichkeit, nach Durst des Golds
die Freunde dir entraften!
Dir, Wahrheit und Gerechtigkeit,
dir schwör' ich Treu' auf immer!
Vergebens lockt die Welt und dräut
mit ihrem Trug und Schimmer!
Sei noch so schlimm Gefahr und Not,
Verachtung selbst, ja schnöder Tod:
Unredlich sein ist schlimmer!
Wir müssen, müssen vorwärts geh'n,
wie Wahn und Trug auch toben!
Uns hat, zum Himmel aufzuseh'n,
Gott selbst das Haupt erhoben!
D'rum wank' und fall' es links und rechts:
Wir sind unsterblichen Geschlechts,
das Vaterland ist oben!
Ach, uns'rer Heimat eingedenk,
lasst uns doch geh'n wie Brüder,
in Lieb', ohn' Eifer und Gezänk,
im Klange froher Lieder!
Du kränkest mich aus Missverstand;
komm, Lieber, reiche mir die Hand
und tu es niemals wieder!