Pfingstlied

J. Reichardt

Schmückt das Fest mit grünen Maien,

dass wir vor unser'm Gott uns freuen!

Er schmückt, wie eine Braut, das Jahr!

Blumen streut durch alle Gänge!

In Wies' und Garten blüht die Menge;

mit Blumen prang' auch du, Altar!

In hellem Chor lobsingt

ihm, der das Jahr verjüngt,

unser'm Vater!

Trompetenklang

schallt zum Gesang;

zu Gottes Himmel steigt der Dank.

Mann und Weib, ihr Greis' und Jüngsten,

singt all'! Er gab uns frohe Pfingsten

und sandt' uns seinen Geist herab!

Alle froh in Festgewanden

mit Sträußen, die wir frisch uns banden,

so nah'n wir ihm, der Segen gab!

Wer käme heut' nicht gern,

dir dankend, unser'm Herrn?

Dir, o Vater!

Dir hallt Getön';

wie schön, wie schön

schmückst du die Welt aus deinen Höh'n!

Gott, er ging in Sturmesbrausen,

dein Geist, und ging in lindem Sausen,

befruchtend Garten, Wies' und Feld!

Gott, er sank in warmem Regen,

und ringsum grünt' und blühte Segen,

vom warmen Sonnenschein erhellt!

Aus fettem Gras und Kraut

jauchzt rings der Herden Laut

dir, o Vater!

Aus grünem Spross,

aus Heid' und Moos

jauchzt dir der Vogel, klein und groß!

Lange ward emporgeschauet

zu dir, dem unser Herz vertrauet,

mit rascher Arbeit und Gebet.

Sanft bedeckt mit weißen Flocken

beschirmtest du den zarten Rocken,

den wir in lock'res Land gesät.

Gedeih'n hast du gesandt,

voll Halme grünt das Land

dir, o Vater!

Was Odem hat,

singt früh und spat:

Uns sättigt Gott mit reicher Saat!

Traurig stand der Baum entlaubet,

die Reb' auch, aller Zier beraubet;

noch herrschte Frost und Ungestüm.

Bald hieß Gott die Luft sich hellen;

wir sah'n die Knospen täglich schwellen

und blickten auf und dankten ihm.

Schon blühet Baum und Strauch,

schon rankt der Weinstock auch

dir, o Vater!

Seht, Baum an Baum

treibt Birn' und Pflaum'

und Kirsch' und Apfel unser'm Gaum'!

So im Anfang lag die Erde,

bevor der Vater sprach: Es werde!

Sie lag im Dunkel, wüst und leer.

Weit auf öden Wassern schwebte

der Geist wie brütend und belebte

die Millionen Keim' umher.

Die Erd' im Sternenchor

stieg auf und sang empor

dir, o Vater!

Im lichten Strahl

trug Berg und Tal

Gewächs' und Leben ohne Zahl!

Gottes Geist, du Geist der Liebe,

befrucht' auch uns'res Herzens Triebe,

der großen Gaben wert zu sein!

Geuß ins Herz der Liebe Flammen,

dass wir wie Brüder hier beisammen

in deinem Tempel uns erfreu'n!

In Eintracht singen wir,

ach, deine Kinder, dir,

dir, o Vater!

Gott gab uns gern!

Gebt nah und fern

den Brüdern auch und dankt dem Herrn!