Wie liegen auf Lindahaide
K. Eckert
Wie liegen auf Lindahaide
die Blumen so verstört?
Wer hat die Felder und Wälder,
die Hütten und Herden verheert?
Dort hauset in dem Walde
ein Eber wild und grimm;
kein Lindwurm und kein Drache
war je solch Ungetüm.
Der König auf Lindahaide
spricht, bang von Furcht bewegt:
"Die schönste der Burgen biet' ich
dem, der den Eber erlegt."
Das lockte wohl manchen zum Kampfe,
doch keiner kehrt zurück;
nun will kein Ritter, kein Jäger
versuchen im Walde sein Glück.
Da spricht der König wieder:
"Wer mir den Eber erlegt,
ihm geb' ich die köstlichste Perle,
in meinem Schatz gehegt!"
Das höret Sigurd, der Däne;
er schwingt sich auf sein Ross
und reitet zur Jagd verwegen
mit tapf'rer Gefährten Tross.
Er steigt von dem treuen Rappen,
der unverzagte Held;
der Eber bricht aus dem Dickicht,
dort hat ihn Herr Sigurd gefällt.
Da tönt es durch Lindahaide:
"Heil Sigurd!" überall;
halali rufen die Jäger
bei lautem Hörnerschall.