Die Harfe der Gottgeliebten

M. Seifriz

Die Harfe hat des Gottgeliebten Hand,

Der königliche Sänger einst geschlagen!

Musik hat sie geheiligt und empfand

Bei ihrem Klang ein seelenvolles Klagen;

Ihr Schweigen wird nun doppelt schwer sie tragen!

Sie weckte selbst im eh'rnen Mann Gefühl,

Lieh manche Tugend ihm, die er nicht kannte;

Es war kein Ohr so stumpf, kein Herz so kühl,

Das nicht bei ihrer Töne Klang entbrannte,

Bis man sie mächt'ger als den Thron benannte.

Sie sang einst unsres Königs Sieg und Glanz,

Sie pries den Ewigen mit tausend Heilen,

Sie ließ sich drehn der Hügel bunten Kranz,

Die Cedern wanken und die Thäler eilen,

Gen Himmel schwebt ihr Ton, um dort zu weilen.

Auf Erden zwar verklang sie jedem Ohr,

Andacht mit ihrer Tochter Liebe schüren

Nur noch die Herzen an mit einem Chor

Von Tönen, Träumen, die vom Himmel rühren

Und die kein Licht des Tages kann entführen.