Die wilde Gazelle

M. Seifriz

Wild springt auf Juda die Gazelle

Noch froh die Höh'n entlang,

Und trinkt noch aus lebend'ger Quelle,

Die heil'gem Grund entsprang.

Ihr luft'ger Tritt, ihr Blick voll Glut

Schweift noch mit ungezähmtem Muth.

So flücht'ge Schritt' und hell're Blicke

Hat Juda schon gewahrt,

Eh' dort gedrückt ward vom Geschicke

Ein Volk von schön'rer Art.

Zwar Cedern wehn auf Libanon --

Doch Juda's Mädchenschaar entronn.

O sel'ger ist die Palm' im Hage,

Als Israels Geschlecht,

Sie bleibt und senkt in schöner Lage

Der Wurzeln fest Geflecht:

Nicht scheiden kann sie, wo sie stand --

Nicht blühn will sie in fremdem Land.

Wir suchen, nur dem Leid zum Raube,

Ein Grab in fremder Welt,

Und nicht zu unsrer Väter Staube

Wird unser Staub gesellt:

Der Tempel fiel und auf dem Thron

Von Salem sitzt der bittre Hohn! --