Schaukle Nachen, leis und trage

Ore

Schaukle, Nachen, leis und träge

mich zu Nachbars grünem Strand;

weben dort drei schmucke Töchter

Segel mit der weißen Hand.

Strickt die eine, spinnt die andre,

feiner doch die dritte stickt;

Mütterlein, das Schätzchen lass mir,

das mit bunter Seide stickt!

Wird das Liebchen nicht mein Bräutchen,

sterb' vor Kummer ich und Gram;

Ach, wo wollt ihr mich begraben,

wenn der Schmerz mein Leben nahm?

Dort im schönen Rosengärtchen

ward er tief in's Grab gelegt,

wo die schattenreiche Linde

neun belaubte Arme trägt.

Jeden Sonntag nahten Mädchen,

flochten Kränzlein im Verein,

gingen mit den grünen Kränzen

zur Marienkirche ein.

Weinend frug die heil'ge Mutter:

„Mädchen, sagt, woher der Kranz?“

„Gaben teures Geld in Riga,

Goldschmied gab ihm schönen Glanz.“

„Lüget nicht, ihr eitlen Mädchen!

Mahnt euch nicht des Knaben Herz?

Mahnt euch nicht sein junges Leben,

hingeschwunden still im Schmerz?“