Die Stunde ist gekommen
Schumann, Robert
Harfner
Die Stunde ist gekommen! Nun sei bereit, mein Sohn!
Denk unsrer tiefsten Lieder, stimm an den vollsten Ton!
Nimm alle Kraft zusammen, die Lust und auch den Schmerz!
Es gilt uns heut, zu rühren des Königs steinern Herz.
Jüngling
Wie kann ein Herz ich rühren mit meiner Liederklang,
Wohin mit Frühlingswehen die Liebe nimmer drang!
Ich sang wohl oft mit Zagen, doch nie mit tiefer'm Schmerz,
Und nimmer war so finster, so bange mir um's Herz!
Harfner
Mein Kind, was soll das Zagen! Mein Sohn, was fürchtest du?
Beschworst mit deiner Harfe doch manchen Sturm zur Ruh'.
Jüngling
Ich sang wohl oft mit Zagen, doch nie mit tiefer'm Schmerz.
Harfner
Mein Kind, den eignen Gram vergessend, blick' auf zur Königin.
Jüngling
Ihr mahnt mich recht!
Harfner
Entrissen ihrer Heimath, welkt auf dem Thron sie hin.
Jüngling
Ihr mahnt mich recht,
[ ich kenne wohl ihr Leid,
Das klingt so bang herüber aus unsrer Jugendzeit!
Harfner
[ Entrissen der Heimath, welkt auf dem Thron sie hin.
Jüngling
Dahin die sel'gen Träume, mich fasst ein tiefes Weh,
Da sich die Stunde nahet, wo ich sie wiederseh'!
Harfner
Nimm alle Kraft zusammen, die Lust
[ und auch den Schmerz,
[ es gilt uns heut' zu rühren des Königs Herz.
Jüngling
[ Ich sang wohl oft mit Zagen, doch nie mit tiefer'm Schmerz!
etc.