An den Schlaf

C. Bach

Komm, süßer Freund der Müden,

dich grüß ich gähnend schon,

du bist für mich hienieden

des Schweißes bester Lohn.

In meinen matten Blicken

schaust du dein sanftes Bild.

Komm, Schlaf, mich zu erquicken,

weil mich die Nacht umhüllt.

In deinem stillen Schoße

ist mir so wonniglich,

dich wünscht so mancher Große,

vergebens wünscht er dich.

Du deckst mit deinen Schwingen

umsonst ihn manche Nacht,

o Schlaf, dich zu erzwingen,

hilft nicht des Reichtums Pracht.

Du wallest leise nieder

auf manches klagend Herz,

und bald entfliehst du wieder,

verscheucht durch Gram und Schmerz.

Wie mancher würf die Sorgen

in deinen Schoß dir gern

und ist bis an den Morgen

mit seinem Joch dir fern.

Im schmutzigen Gewühle

wälzt sich der Tor herum,

er sucht im Schwarm und Spiele

nur sein Elysium.

Zu diesem schwarzen Glücke

dringt er berauscht hinzu

und flieht mit trübem Blicke

dafür die süße Ruh.

Man lass die Toren machen,

ich mach es nicht wie sie,

so Nächte durchzuwachen

ist meine Sache nie.

Entfernt von Spiel und Schwärmen,

o Freund, erwart ich dein!

Verscheuch mir Gram und Härmen

und stärke mein Gebein.

Wie du in niedern Hütten

um gute Menschen schwebst

und nach so manchen Schritten

den Wandrer neu belebst;

so schweb auch um mein Bette,

so werd auch ich erquickt,

bis früh die Morgenröte

mein helles Aug erblickt.