Trinklied

C. Bach

Ein Leben wie im Paradies

gewährt uns Vater Rhein.

Ich geb es zu, ein Kuss ist süß,

doch süßer ist der Wein.

Ich bin so fröhlich wie ein Reh,

das um die Quelle tanzt,

wenn ich den lieben Schenktisch seh

und Gläser drauf gepflanzt.

Was kümmert mich die ganze Welt,

wenn's liebe Gläslein winkt

und Traubensaft, der mir gefällt,

an meiner Lippe blinkt?

Dann trink ich wie ein Götterkind

die volle Flasche leer,

dass Glut mir durch die Adern rinnt,

und tauml und fodre mehr.

Die Erde wär ein Jammertal

voll Grillenfang und Gicht,

wüchs uns zur Lindrung unsrer Qual

der edle Rheinwein nicht.

Der hebt den Bettler auf den Thron,

schafft Erd und Himmel um

und zaubert jeden Erdensohn

stracks in Elisium.

Es ist die wahre Panacee,

verjüngt des Alten Blut,

verscheuchet Hirn- und Magenweh

und was er weiter tut.

Drum lebe das gelobte Land,

das uns den Wein erzog!

Der Winzer, der ihn pflanzt und band,

der Winzer lebe hoch!

Und jeder schönen Winzerin,

die uns die Trauben las,

weih ich als meiner Königin

ein volles Deckelglas!

Es lebe jeder deutsche Mann,

der seinen Rheinwein trinkt,

so lang er's Kelchglas halten kann

und dann zu Boden sinkt!