An die Natur
C. Bach
Holde, gütige Natur,
milder als Cythere!
Prächtig schmückst du Feld und Flur,
füllest Erd und Meere.
Alles spricht von deinem Ruhm,
Mensch und Tier und Gras und Blum.
Überall bist du bekannt
in den schönsten Bildern,
und doch wird des Künstlers Hand
dich vergebens schildern.
Du, so vieler Wesen Glück,
bist des Schöpfers Meisterstück.
Alles muss auf deinen Wink
aus dem Nichts entstehen,
was wir ohne Kunst und Schmink
in der Schöpfung sehen.
Selbst der Mensch, des Schöpfers Bild,
wird aus deinem Keim enthüllt.
Deinem weiten Schoß entstand
ohne Fehl und Mängel,
die die stolze Kunst erfand,
mancher schöne Engel.
Aber wenig Tage nur
schmückte sie dein Bild, Natur.
Noch ist nicht dein Bild entflohn
edlen Biedersöhnen,
und noch hast du deinen Thron
unter deutschen Schönen.
Wäre doch die Zahl nicht klein,
die dir, o Natur, sich weihn!
O, der übergroßen Zahl,
die dein Bild verscheuchet!
Eitler Putz herrscht überall,
deine Schönheit weichet. —
Ungekünstelte Natur,
leite mich auf deiner Spur.