An Doris

C. Bach

Des Tages Licht hat sich verdunkelt,

der Purpur, der im Westen funkelt,

erblasset in ein falbes Grau.

Der Mond zeigt seine Silberhörner,

die kühle Nacht streut Schlummerkörner

und tränkt die trockne Welt mit Tau.

Komm, Doris, komm zu jenen Buchen,

lass uns den stillen Grund besuchen,

wo nichts sich regt als ich und du.

Nur noch der Hauch verliebter Weste

belebt das schwanke Laub der Äste

und winket dir liebkosend zu.

Die grüne Nacht belaubter Bäume

führt uns in anmutsvolle Träume,

worin der Geist sich selber wiegt.

Er zieht die schweifenden Gedanken

in angenehm verengte Schranken

und lebt mit sich allein vergnügt.

Ach, Doris! Fühlst du nicht im Herzen

die zarte Regung sanfter Schmerzen,

die süßer sind als alle Lust?

Strahlt nicht dein holder Blick gelinder?

Rollt nicht dein Blut sich selbst geschwinder,

und schwellt die unschuldsvolle Brust?

Du staunst. Es regt sich deine Tugend,

die holde Farbe keuscher Jugend

deckt dein verschämtes Angesicht.

Dein Blut wallt von vermischtem Triebe,

der strenge Ruhm verwirft die Liebe,

allein dein Herz verwirft sie nicht.

Oh, könnte dich ein Schatten rühren

der Wollust, die zwei Herzen spüren,

die sich einander zugedacht!

Du fordertest von dem Geschicke

die langen Stunden selbst zurücke,

die dein Herz müßig zugebracht.

Mein Feuer brennt nicht nur auf Blättern,

ich suche nicht, dich zu vergöttern,

die Menschheit ziert dich allzu sehr.

Ein andrer kann gelehrter klagen,

mein Mund weiß weniger zu sagen,

allein mein Herz empfindet mehr.

Was siehst du furchtsam hin und wieder

und schlägst die holden Blicke nieder?

Es ist kein fremder Zeuge nah.

Mein Kind, kann ich dich nicht erweichen?

Doch ja, dein Mund gibt zwar kein Zeichen,

allein dein Seufzen sagt mir: Ja!