Amor und Bachus
C. Schröter
Durch die dunkeln Myrtenwälder
führet über Lilienfelder
Amor seine Mädchenschar;
fröhlich schwankt der Gott der Trauben
aus den kühlen Efeulauben
her mit der berauschten Schar.
Amor und der Gott der Freude
seh'n einander, kommen beide
aus dem Schwarm hervorgerannt.
Amor schwingt den gold'nen Köcher,
Bacchus den bekränzten Becher,
beide schlagen in die Hand.
Bacchus:
Amor, dich, mein schöner Knabe,
küss' ich - küss' ich - komm und labe
dich mit diesem Becher Wein.
O, wie deine Lippen fließen
voll Entzückung von dem süßen,
honigsüßen Zypernwein!
Amor:
Bacchus mit dem Thyrsusstabe,
hochgekrönter Götterknabe,
heute wollen wir uns freu'n!
Lass mich dich, mein Bacchus, küssen,
lass die Wollust in dich fließen,
süßer wie dein Zypernwein!
Bacchus:
Knabe mit den gold'nen Pfeilen,
willst mein stolzes Herz zerteilen?
Ha! Es schwillt in süßer Pein!
Amor! Amor! Deine Küsse,
Knabe Amor, brennen süße,
süßer wie mein Zypernwein!
Amor:
Singet, goldgelockte Schönen!
Lasset Liebesharfen tönen!
Schenkt dem braven Bacchus ein!
Tanzet um ihn Liebestänze!
Schlinget um ihn Blumenkränze!
Bacchus soll heut' Amor sein!
Bacchus:
Jauchzet, taumelnde Mänaden!
Schlagt die Trommel, ihr Thyaden!
Schenkt dem süßen Amor ein!
Hüpfet um ihn Ringeltänze!
Windet um ihn Efeukränze!
Amor soll heut' Bacchus sein!