Die Silberquelle
C. Schröter
Hast, liebes Mädchen, frisch und jung,
Du jenen Mann gesehn,
In heißem Durst nach Labetrunk
Zur kühlen Quelle gehn?
Voll Sehnsucht bog er ihr sein Knie,
Und Göttin, Göttin nannt' er sie.
Und als sie seinen Durst gestillt
Mit ihrem süßen Trank;
Und neubelebt und Krafterfüllt
Er ihr zu Füßen sank;
Da schlief er ein und ohne Dank
Trug ihn hinweg ein loser Gang.
O Mädchen, wie die Quelle rein,
Unschuldig, frisch und schön,
Ach laß es nicht dein Schicksal seyn,
Laß nie dirs also gehn,
Daß wenn du andere erfreust,
Du selbst dir Thränenquelle seyst.